Wir sind dann mal weg! Mit dem Rad von Passau nach Wien!

Dein Wunsch möge in Erfüllung gehen, sagte der Finkenpirat und radelte mit seiner holden Weiblichkeit in 6. Etappen ganz gemütlich von Passau nach Wien.

Wie alles begann:

Wir schrieben das Jahr 2018 und der Pirat fragte seine Frau, was sie sich denn zum Geburtstag wünscht?

Die prompte Antwort: Mit dem Fahrrad von München nach Venedig!

Obwohl wir E-Bikes besitzen, blieb mir erstmal kurz der Atem stehen. Ich, als bekennender Radfahrer schluckte mal ordentlich, und meinte dann: „Meinst Du nicht, dass es als erste Radreise ein wenig stramm für Dich sein könnte?“

Antwort: Grummel, grummel, ja vielleicht hast Du recht.

Mein Vorschlag: Wir fahren erst einmal von Passau nach Wien. Wenn das alles gut läuft und Du Spaß am Urlaubsradeln hast, fahren wir danach (wenn es klappt, im nächsten Jahr) von München nach Venedig.

Da leuchteten die Augen der Piratin und wir hatten einen Deal … Und ich auch gleich ein Geburtstagsgeschenk für das kommende Jahr! Wie praktisch!

Ein passender Termin im August wurde gefunden und wir begannen mit den Vorbereitungen.

Dies beanspruchte relativ wenig Zeit, da wir beide nicht „Bis ins letzte Detail-Planer“ sind, sondern gerne auch mal etwas auf uns zukommen lassen und recht spontan sein können …

… so wurde etwa 3 Monate vorher eine schöne Pension in Passau, unweit vom Donauradweg für eine Vorübernachtung gebucht, damit wir morgends gleich nach einem ordentlichen Frühstück starten konnten. Praktisch war außerdem, dass man das Auto, für die Zeit der Radtour, auf dem Parkplatz der Pennsion parken kann. Die Parkkosten belaufen sich auf 3 Euro/Tag. Die perfekte Lösung für uns, da wir mit dem Auto bis nach Passau reisen mussten. Eine passende Zugverbindung, bei der die Räder mitgenommen werden konnten gab es nicht bzw. nicht mehr.

Desweiteren buchten wir unsere zweite Übernachtung in Inzell (Schlögener Schlinge), da es dort nicht all zu viele Zimmer gibt, sowie die letzten beiden Nächte in Wien.

Das wir in Wien Zimmer vorgebucht hatten, sollte sich als großes Glück herausstellen, aber dazu später mehr.

Ganz wichtig war uns, sicher zu stellen, wie wir von Wien nach Passau zurückkommen. Das stellte sich mit 29 Zoll Bikes, als gar nicht so einfach heraus, da die ÖBB in dem angedachten Zug nur bis 28 Zoll befördert. Hier fand die Piratin die passende Lösung, lies sich das bestätigen, und somit war auch das erledigt (so dachten wir, am letzten Tag wurde es dann zum Thema Fahrradtransport mit der Bahn, nochmal spannend. Aber auch dazu später mehr.)

Desweiteren benötigten wir noch Satteltaschen und für jeden 2 paar schicke Radlerunterhöschen. Wer radelt, weiß was ich meine. Die Empfehlung der Höschen meinerseits an das Ehefrauchen, löste einen Wahnsinnswellengang im heimischen Wohnzimmer aus – „Solche Dinger ziehe ich nicht an, aus dem Pampersalter bin ich raus“, so die Antwort. Ok, einfach mal in Ruhe lassen. Der nächste Tag kam, und die Piratin auch. „Kannst Du mir bitte 2 Höschen mitbestellen?“ Das habe ich natürlich gerne gemacht, man kennt ja seinen Partner. Ich wusste, warum ich noch nicht bestellt hatte. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Piratin die Dinger während des Trips wie ein Augapfel hütete und diese sogar, falls beim nächtlichen trocknen, eine noch nicht ganz trocken war, mit dem Fön nachgeholfen wurde. Scheinen gut gewesen zu sein, die angeblichen Pampersdinger!

Zwei drei Wochen vor dem Start wurden die Mountainbikes noch mit Gepäckträger und einem kleinen Rücklicht ausgestattet. Auf Empfehlung wollte ich neben Ersatzschläuchen auch noch ein Pannenspray mitnehmen. Ehrlich gesagt, hatte ich von solchen Pannenspray nie viel gehalten.

Natürlich sollte auch das Cachen nicht zu kurz kommen, wobei wir auch nicht jeden Cache am Wegesrand einsammeln wollten. Wir wollten ja schließlich Radfahren und nicht nur Suchen.

Ein paar Tage vorher, wurde für die Caches am Wegesrand, eine Pocketquery erstellt und festgestellt, dass es  leider keinen Multi o.ä von Passau nach Wien gab. Lediglich von Donaueschingen bis Wien bzw von Passau bis Bratislava. Schade, wir hätten diesen gerne als private Trophäe für uns absolviert.

Die Piratin war zwar dagegen, dass ich das GPS auch noch mitnehme, ein Handy würde für die paar Caches vollkommen ausreichen, doch auf Grund eines Hintergedankens nahm ich es doch mit.

Das wars an Vorbereitungen – nun hieß es abwarten, bis zum 18. August.

Sonntag 18 August, 6 Uhr Dienstende!

Mein Nachtdienst war zu Ende und Elena holte mich in Wetzlar von der Arbeit ab. Die Räder nochmals hintendrauf überprüft und los ging es. Ich versuchte zu schlafen und Elena fuhr zuverlässig bis nach Passau.

Gegen Mittag kamen wir in Passau an, parkten kostenlos oben auf der Veste (Festung) und nutzen ganz spontan die Stadtrundfahrt per Minibus im Hop und Drop System, um Passau wenigstens im kurzen Zeitraffer kennenzulernen. Wir stiegen in der Altstadt aus, liefen zum 3 Flüsse-Spitz und schauten uns die kleinen Schaufenster, sowie die Weltgrößte Domorgel an. Nebenbei besuchten wir noch 2 oder 3 Caches. Im Anschluss ging es mit unserem sensationellen Busfahrer (was! Für ein Unikat in Lederhose), zurück zur Veste. Der Spaß kostete 9 Euro/Person und hat sich, so finden wir, allemal gelohnt. Passau ist ein schönes Städtchen!

http://www.donau-schiffs-reise-center.de/index.php/stadtrundfahrten

Nun steuerten wir unsere Unterkunft für die Nacht an. Wir wurden in der Pension nett empfangen, bezogen unser ordentliches, neu renoviertes Zimmer und stellten das Auto für die nächsten Tage ab.

Falls es jemanden Interessiert: Pension Gambrinius.

Die Räder übernachten hier in einer Garage.

Schön wars – Wir würden Wiederkommen!

Montag 19. August, Passau nach Inzell (Schlögener Schlinge)

60 Km mit Sightseeing, Sonnenschein, keine Pannen

Nach einem Frühstücksbuffet, wo es an nichts fehlte, ging es am frühen Morgen endlich los.

Erster Halt, ein Fotostopp am R1 Radwegschild Deutschland/Österreich. Von nun an, radelten wir also auf der rechten Donauseite in Österreich.

Weiter ging es über Engelhartszell, das imposante Kloster sollte man sich auf jeden Fall ansehen.

Unser Weg führte uns dann durch die Schlögener Schlinge, mit ihrem tollen Aussichtspunkt, der ja von Fotomotiven her bekannt ist. Hier macht die Donau eine fast 180 Grad Wende. Wer den Pirat kennt, weiß, dass er natürlich den Gipfel erklommen hat. Das geht allerdings nur zu Fuß, deshalb blieb die Piratin auch gerne unten um die Bikes zu bewachen. Komisch, komisch, das hätten bestimmt auch unsere Fahrradschlösser machen können, oder? Tztztz.

Weiter ging es nach Inzell, wo wir unseren vorgebuchten Gasthof Reisinger, direkt am Radweg  aufsuchten. Das war nicht schwer, dort gibt es nur 2 Unterkünfte. Wir hatte von Anfang an einen guten Draht zum Gastgeber, was sich im Nachhinein als „Sehr gut“ herausstellen sollte. Laut Bewertungen, soll dort ab und  an mal ein etwas eigener Ton herrschen, was wir aber nicht so empfanden. Wir haben bis spät Abends mit der Mutter des Hauses und deren Bekannten auf der Terrasse gesessen und gequatscht.

Zuvor gab es dort ein sehr gutes Schnitzel Wiener Art, vom heimischen Metzger mit Pommes und Salat für unter 10 Euro. Unser Zimmer war ländlich, ordentlich und mit Blick auf die Donau. Das Frühstück war gut, mit ausreichend Wurst und Käse.

Zum Abschied bekam die Piratin vom Chef des Hauses noch ein Ständchen mit dem Akkordeon, das war u.a. Thema des Vortages.

Die Räder übernachten hier in einem Fahrradhäuschen.

Schön wars – Auf Wiedersehen, wir würden Wiederkommen!

Dienstag 20. August, Inzell bis Steyregg

70 Km mit Sightseeing, Sonnenschein, Plattfuß am Bike

Schon beim Aufstehen versprach dieser Tag  wunderbares Wetter, die Sonne wird für uns lachen.

Los geht’s – Linz erwartet uns schon.

Bei bester Laune, Singend & Pfeiffend radelten wir los, um uns in ein neues Abenteuer zu stürzen.

Nach der Passage von Aschach, setzten wir mit der Fähre Ottensheim, auf die linke Seite der Donau über. Alternativ kann man auch ein wenig vorher, kostenlos, über das Kraftwerk Ottensheim die Seite wechseln. Wir wollten jedoch wenigstens einmal auf der Strecke Fähre fahren, drum diese Variante. Nach der Passage stärkten wir uns mit einer Linzer Schnitte und einem Cappuccino, bevor es weiterging, Richtung Linz.

Das Abenteuer lies dann auch nicht mehr lange auf sich warten.

Kurz hinter Ottensheim, fuhr die Piratin zügig durch die Kurve und dann über eine Holzbrücke. Alles trocken und trotzdem gehörig zur Seite weggerutscht – „Da stimmt doch was nicht„, war sogleich ihr Gedanke?!

„Steeeern! Kannst Du mal gucken? Ich fahre mal an dir vorbei, das Bike ist so watsschelig“. Schon im vorbeifahren sah ich, das Luft fehlt. Nun gut, sollte bis zur nächsten Tanke gehen, dachte ich jedenfalls. Den Gefallen tat uns der Reifen aber nicht. So, nun wollte ich doch mal sehen, ob so ein Pannenspray etwas taugt. Ich hatte mich zu Hause schon mit der Anwendung vertraut gemacht, so dass es ruckizucki ging, und die erste Ladung Spray war im Rad. Mehr wollte der Schlauch auch nicht aufnehmen. Rauf auf den Sattel –  weiter geht’s. In der Tat kamen wir wirklich nur 8 Km weiter bis zur Tanke, denn der Reifen verlor weiterhin Luft. Ok, bevor ich den Schlauch wechsel, erstmal den kompletten Rest Spray rein (jetzt war wieder platz), Druckluft hinzu und schauen was passiert. Das sieht gut. Nun sahen wir auch einen gehörigen Schnitt im Radmantel und eine kleine Stelle, wo der Schaum des Pannensprays herausquoll. Der Schaum tat nun das, was man von ihm wollte und das Rad war pralle – weiter geht’s.

Nachsatz: Ich bin begeistert – der Reifen hat jetzt 400 Kilometer gelaufen, und hält absolut dicht. Es besteht gerade keinen Grund, den Schlauch zu wechseln. Schauen wir mal.

Ohne große Verzögerung erreichten wir dann Linz. Da wir uns die Stadt natürlich mit den Rädern anschauten, können wir sagen, dass wir während unserer privaten Sightseeing-Tour schon ein kleines Abenteuer durchradelten. Der Verkehr ist wirklich rege und es ist ordentlich was los, aber alles machbar. Ein besonderes Augenmerk mussten wir auf die Straßenbahnschienen legen. Eine Roulade wollten wir hier nicht drehen.

Natürlich wurden auch ein paar Caches aufgesucht, ganz besonders gut hat uns der Virtual am Hauptplatz gefallen. Hier muss man anhand von Werbeschilderfotoschnippseln seinen Cachernamen zusammenstückeln. Eine tolle Idee, die richtig spannend wird, wenn man einen langen Nicknamen hat. Wir hatten dabei unseren Spaß!

Weiter ging es zum Dom und rauf zur Festung. Ich glaube, das war das einzige Stück richtige Steigung auf der ganzen Radtour. Ein toller Ausblick von hier oben, der wiederum mit einem Virtual belohnt wird.

Im  Anschluss kehrten wir Linz den Rücken zu und fuhren auf der linken Donauseite weiter bis nach Steyregg, wo wir mit viel Glück noch ein Zimmer bekamen (wir hatten diesmal vorab kein Zimmer gebucht, weil wir schauen wollten, wie weit wir kommen). Na ja, wir besuchen ja gerne mal Lost Places … dann aber weniger zum übernachten. Es waren ganz, ganz nette Gastgeber, schon etwas in die Jahre gekommen und ich würde mal vorsichtig sagen: „Es fehlt vielleicht der Blick, um auch mal etwas zu erneuern“. Dennoch, soweit Ok, und ich stellte rasch fest, das klares Wasser aus der Dusche kam. Elena zog hier ihre Einmalwaschlappen vor, und betrat die Dusche lieber nicht. Frauen halt – sie wolle lieber Morgen, irgendwo anders Duschen! Das Bett war bequem und so schliefen wir dann auch irgendwann ein. Das hätte auch garantiert bis morgens geklappt, hätte uns die Sirene vom Dach in der Nähe nicht senkrecht sitzen lassen. Den Grund warum diese los ging, wissen wir nicht und unsere Neugierde war auf Grund der Müdigkeit in dieser Nacht auch gesättigt.

Am nächsten Morgen wollte Elena aus dem Fenster gucken, ob das Regen ist, was da so tratscht – von mir kam dann nur mit leicht irrem Blick,  beweg ja die Gardine nicht! Wer mich kennt, weiss, dass ich Spinnen nur mag, wenn sie nicht in meiner unmittelbaren Nähe sind … und hier war ich mir weiss Gott nicht sicher, ob da nicht ein Monsterexemplar hauste. Anmerkung an dieser Stelle: Auch wenn ich sie nicht mag, keine würde unter meinem Schuh enden bzw. auf ein Nimmerwiedersehen im Staubsauger verschwinden.

Eine Übernachtungsempfehlung möchten wir hier nicht so gerne aussprechen. Nur so viel, hier sollte man vlt. nur bis Linz ( ca 7 Km vorher) oder 10km weiterradeln, dort gibt es eine bessere Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten. Das Preis-Leistungsverhältnis hätte besser sein können, so finden wir.  

Mittwoch 21.August, Steyregg nach Ybbs

80 Km mit Sightseeing, erst Regen, später Sonnenschein, keine Panne

Elena hätte auch gar nicht aus dem Fenster gucken müssen – es hat getratscht! Und wie!

Dementsprechend gekleidet, die Räder aus der Garage geholt und los ging es, zum Bäcker um die Ecke, der schon um 6.00 Uhr öffnete. Nach einem lecker Kaffee und einem guten Brötchen verzog sich der Regen, die Klamotten wurden gewechselt und es konnte endgültig losgehen.

Gut gelaunt entdeckten wir bald den Doni, so heißt der dazugehörige Tradi-Geocache. Ach, was hatten wir unseren Spaß. Schaut mal auf dem Foto, das Maul ist soooo groß, das er uns beide „fressen“ konnte. Er spuckte uns aber wieder aus, ganz wie Pinocchio. Jetzt wissen wir, wie der sich wohl fühlte. Nach dem Stopp erreichten wir irgendwann Grein, was wir auf uns wirken ließen. Weiter ging es über St. Nikola bis zur Donaubrücke Persenberg. Hier wechselten wir auf die rechte Seite der Donau, um nach Ybbs zu gelangen, wo wir uns das Städtchen ansahen, ein wenig cachten, ein bisschen Sport der anderen Art betrieben und dann ganz gemütlich zu unserer Unterkunft weiterradelten.

Die Unterkunft „Gasthof Kaiser“ hatten wir am Vortrag zu einem Superpreis gebucht, so dass wir uns freuten, dort ein schönes Zimmer vorzufinden. Genau so war es auch, wir wurden sehr nett empfangen und das Zimmer war bombastisch. Alles Edel und eine tolle Dusche – die Piratin war schneller unter dieser verschwunden, als ich gucken konnte. Ach stimmt, da war doch was …

Nachdem wir unsere Räder für die Nacht fertig gemacht hatten, die nächtigen hier unter einem überdachten Unterstand mit Fahrradständern, zogen wir zu Fuß los, um ganz in der Nähe etwas zu Abend zu essen. Da der Gasthof Kaiser kaum Transparenz zeigt, zumindest für uns nicht ersichtlich, was die Küche dort anbietet, entschieden wir uns woanders einzukehren. Das Frühstück nahmen wir ebenfalls nicht in Anspruch. Oftmals reicht uns ein Brötchen und ein Kaffee, so dass wir ein üppiges Frühstück nicht benötigen. Das gibt es nur, wenn wir Abends Schmalhans Küche hatten oder mächtigen Hunger haben.

Donnerstag, 22.August Ybbs bis Krems

90 Km mit Sightseeing, bestes Wetter, keine Panne

Zufrieden und Ausgeschlafen (um 7.30 Uhr sind wir das, und zwar beide) sattelten wir auf, und weiter ging unser Weg bis Krems. 

Heute verlief der Start etwas holprig. Bedingt durch eine Baustelle verfuhren wir uns erstmal um 5 Km in die falsche Richtung. Auf dem Rückweg sahen wir dann aber, dass wir die ausgeschilderte Umleitung einfach übersehen und vorbeigefahren sind. Nachdem wir wieder auf dem richtigen Weg waren, lief es aber nicht wirklich zügig. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich einen Schlafwagen hinter mir herzog. Die Piratin schien null Power zu haben. Sie allerdings behauptete, jemand zöge ihren Akku leer und außerdem würde ganz arger Gegenwind herrschen. Dinger gibt´s!

Wir erreichten das wunderschöne Melk, wo es dann auch, gemütlich auf dem Marktplatz sitzend, den ersten Kaffee des Tages und endlich auch ein Frühstücksbrötchen gab.  Die wunderbare Kulisse vom Kloster stets im Blick. Wunderbar.

Plötzlich schien der bummelige Schlafwagen an meiner Seite zum ICE  zu werden, und weiter ging es. Wir wollten uns gerne das Kloster ein wenig genauer ansehen. Nicht mit Führung, was bestimmt interessant gewesen wäre, uns allerdings zu lange gedauert hätte, sondern auf eigene Faust. Die Räder kann man sehr gut oben abstellen, ihr müsst sie nicht unten lassen, und hoch laufen. Das ging einigen anderen Radlern, wohl unwissend, so. Man schiebt das Rad durch die Fußgängerzone, dahinter konnte man dann im Bogen linkerhand bis hochfahren. An der Schranke vorbei, oben auf 11 Uhr, sind ausreichend Radparkplätze. Was für ein schönes Kloster. Wir schlenderten durch die Innenhöfe, bestaunten ein wenig die Fassaden, machten ein paar Fotos, besuchten noch einen fein gestalteten TB-Hotel-Cache und radelten dann weiter.

Und jetzt kam sie – die wunderbare Wachau!

Beim Ausarbeiten unserer Route lasen wir oftmals, der wohl schönste Abschnitt des Donauradwegs sei die Wachau, also der Abschnitt zwischen Melk und Krems. Mal sehen wie wir das so empfinden … Eines steht fest: Ja, es ist der schönste Abschnitt. Wahnsinn, all die kleinen Örtchen, Häuschen und Eindrücke. Vor vielen Türen standen selbstgemachte Marillenprodukte, von dieser wohl einmaligen Wachaumarille. Auch wir kauften ein großes Glas Marmelade, welches für die Eltern als kleines Mitbringsel bestimmt war. Die hüteten ja unsere Cachedoglady Juma, so dass der Radtrip überhaupt erst möglich wurde.

Unsere Lady begleitet uns zwar sehr oft, hier allerdings entschieden wir uns für ein absolutes No-go. Interessanterweise sahen wir auf der ganzen Tour nur 2 Hunde, die mit unterwegs waren. Ein weißes, kleineres Knäuel im Lenkerkorb, mit Sonnenbrille als Schutz gegen den Fahrtwind & Sonne. Der Kleene schien Reiseprofi zu sein und bekam ordentlich was zu sehen. Des Weiteren noch ein Schlaubergerhund (BorderColli) im Radanhänger. Wir denken, die meisten Hundehalter sehen so wie wir, wenig Sinn darin, den Hund den ganzen Tag umherzufahren, teilweise bei erbärmlicher Hitze. Plant man hingegen genügend Bewegungsspielraum für den Hund ein, kommt man selbst nicht wirklich vorwärts. Ein anderer Ablauf und eine hundegerechtere Etappenplanung könnte ich mir bei milden Temperaturen durchaus vorstellen. Diese Variante wird dann bestimmt auch beiden Seiten Spaß bringen. Letztendlich ist aber bekanntlich die Denk & Handlungsweise, jedem selbst überlassen.

Zurück zur Marillenmarmelade, wir waren uns nicht wirklich sicher, ob unser Mitbringsel denn auch in Nordhessen ankommt. Mmmhhh, die sah ja schon so lecker aus. Tat sie aber! Wir denken, sie ist schon längst aufgegessen.

Durch malerische Örtchen ging es weiter bis nach Spitz. Dort gönnten wir uns im gemütlichen Biergarten einen ganz leckeren Palatschinken und ein Stück Topfenkuchen. Hach, wiederum so eine leckere Sache. Gut, das wir während der Tour ordentlich Kalorien verbrannten, ansonsten sähe es mit dem Gewicht ganz düster aus. Abgenommen haben wir aber definitiv nicht!

Gut gestärkt ging es durch die so schöne Wachau bis nach Krems. Auch hier zogen wir die parallel zum Radweg ausgewiesene Altstadtroute vor. Ach ja, die nutzen wir eigentlich immer, wir wollten uns die Städte und Örtchen gerne als kurzen Eindruck ansehen. Ziemlich im Zentrum lag unsere Unterkunft. Wir buchten gestern spontan eine Studentenbude auf dem Campus Krems. Das heisst, dort, wo während des Semesters Studenten wohnen (2Bett-Zimmer mit WC & Dusche), wohnen in den Ferien Touristen. Alles war sauber, die Räder übernachten in einem abschließbaren Fahrradkeller und das Frühstücksbuffet war für 5 € pro Person günstig und ausreichend. Ich fand es besonders nett mit den 2 getrennten Betten, endlich mal genügend Platz für einem selbst. Frauen schaffen das ja, dass selbst 2 Meter noch zu schmal sein können. Elena fand die Unterkunft nicht so romantisch – stellt sich mir die Frage, warum nur? *Grins* Nachdem das Zimmer bezogen war, ging es zu Fuß nochmal ins Städtchen, etwas Cachen und bummeln. Für eine Kleinigkeit zu Abend steuerten wir den naheliegenden Biergarten an und im Anschluss ging es direkt auf das Kremser Volksfest. Ui, das war schön – irgendwann, ganz schön spät, lagen wir dann im Bett, jeder in seinem Bett.

Freitag, 23. August, Krems bis Tulln

41 Km, bestes Wetter, keine Panne

Am nächsten Morgen sattelten wir die Bikes und wir waren uns noch nicht sicher, ob wir bis Wien (72Km) durchfahren, und da erst recht spät ankommen, oder nur bis Tulln (41Km), das Städtchen genießen und ein wenig umfangreicher Cachen sollten. Wir entschieden uns für den Stopp in Tulln und freuten uns auf einen schönen Nachmittag dort. Die Sonne schien schon, so dass es bestimmt ein schöner Tag werden wird.

In gemütlichem Tempo radelten wir also bis Tulln, bezogen Quartier – hier entschieden wir uns für ein bisschen Luxus, Nibelungenhof, Donaulände 34. Ganz individuelle Zimmer (ein großes Doppelbett selbstverständlich) & ein fantastisches Frühstücksbuffet. So etwas haben wir in der Vielfalt noch nicht gesehen.  Meinem Wunsch, ein Zimmer im unteren Bereich zu bekommen, wurde entsprochen. Nach der Hitzeschlacht auf dem Campus in Krems (das Zimmer war ganz oben, auf der Sonnenseite) war dies jetzt eine willkommene Abwechslung.

Zügig checkten wir ein, holten die Bikes und ab ging es in das wunderschöne Städtchen. Übrigends unser ganz persönlicher Favorit an dem Donauradweg. Es wurde gecacht, Kaffee getrunken, gechillt, noch mal gecacht, in der Sonne gesessen … und einfach gar nichts gemacht. Schön!

Gegen Abend brachten wir die Räder in die Unterkunft, diese nächtigen hier in einer abschließbarem Hütte. Wir selbst schlenderten ca 150 Meter bis zum Griechen, direkt am Radweg. Das Essen war lecker, sehr lecker. Uns fehlte aber irgendwie noch etwas. Wer mich kennt, der weiß, was fehlte. Eissssss! Viel Eis! Was dann kam, schlägt dem Fass den Boden aus. Ich kenne Eis, viel Eis. Ich kann beurteilen, was gut und was weniger gut schmeckt. Aber so etwas  hatte ich noch nie! Die Schlange an der Theke versprach gutes, extrem gutes. Beim Anstehen hieß es schon, es sei die beste Eisdiele Niederösterreichs. Wir bekamen dann unser Eis. Ich 4 Bällchen, die Piratin 3. Draußen auf die Bank gesetzt und nette Leute kennengelernt, die zu zweit, eine Schale mit 18! Kugeln verspeisten. Das würden sie immer so machen, man geht sonst eh nochmal rein. Ok … mmmh. Wir sagen nur: Dieses verflixte, hammermäßig und obergeniale Eis war einmalig! So wurde es in vollen Zügen aufgegessen. Und wisst ihr was? Wir sind dann nochmal rein, ich 2 Kugeln und die Piratin auch noch mal 2. Aber nur aus Vernunftsgründen wurden es nicht mehr. Tja, die Leute behielten recht, mit dem Nachschlag holen. Eins ist gewiss, nach Tulln kommen wir irgendwann nochmal, und wenn es nur für das Eis ist! Pappensatt ging es dann zu Bett, wo wir wie die Helden der Nibelungen bis zum nächsten Morgen durchschlummerten. Gott sei Dank, gab es nun ein tolles Frühstücksbuffet – der gestrige Tag hat uns ja bis spät am Abend am Hungertuch nagen lassen. Da musste man natürlich alles probieren, um dann rund wie der eigene Fahrradreifen, loszuradeln. Das hatten wir morgens um 8.30 Uhr auch noch nicht.

Nachsatz: Beim Checkout erfuhren wir vom Gastgeber, dass gestern noch Radler, die Wien bereits erreicht hatten , zurück nach Tulln radelten. Es sei dort kein Zimmer mehr zu einem fairem Preis erhältlich gewesen. Ab 350 Euro aufwärts. Da kann ich gut verstehen, warum man zurückradelt. Hätte ich auch getan. Ob es am Rammstein-Doppelkonzert lag? Jedenfalls waren wir heilfroh, dass wir einmal über Booking und einmal privat zwei geniale Zimmer in Wien vorbuchen konnten. Dass war natürlich Wochen vorher.

Samstag 24.August, Tulln bis Wien (Prater)

31 Km, bestes Wetter, keine Panne – na ja, fast.

Endspurt! Die Sonne schien, die Stimmung war gut und ich habe einen Ohrwurm. Ununterbrochen höre ich die Piratin singen: Finale oohhhooho, Finale ohoho. Klasse fand ich ihren triumphierenden Blick all denen gegenüber, die andersherum radelten, also von Wien nach Passau. So ging es noch mal ganz gemütlich weiter, die letzten Eindrücke genießen. Ein bisschen Traurigkeit kam auch auf. Schade, schon fertig? Jetzt wo wir gerade so gut drin waren. Alles hat einmal ein Ende, leider. Nun radelten wir über die Donauinsel nach Wien reinkommend, bis zum Prater. Unser persönliches Ziel sollte das alte Riesenrad sein. Dies war schon von früheren Wien Besuchen unser Wahrzeichen der Stadt. Gegen 11 Uhr erreichten wir das alte Gefährt. Nach einem Give-me-Five unter uns, gab es eine kleine Fotosession und dann bezogen wir unser Hotel, direkt am Prater. Die Traurigkeit wich der Freude, denn der Abend versprach ein Wiedersehen mit Freunden aus Wien, die wir länger nicht gesehen haben.

Das Einchecken verlief dann problemlos, wäre da nicht die Einfahrt in die Tiefgarage gewesen. Hier nächtigen die Bikes absolut gesichert und überwacht. Von der Rezeption zur TG geht es einmal um das Gebäude, durch den Verkehr. Also, den Helm auf, wir hätten eh nicht gewusst, wohin damit. Beide vor die Schranke gestellt, und ich drückte den Knopf. Jepp, prima – Schranke auf. Elena fährt durch, ich hinterher. Anscheinend erkannte die Lichtschranke eine kleine Lücke zwischen uns. Jedenfalls tat es einen Schlag und ich dachte einen Moment, die Decke kommt runter. Ich hatte die Schranke ja nicht kommen sehen, weil ich selbst schon halb drunter war. Passiert war nichts, dies war eher eine Bestätigung dafür, das es besser ist, immer den Helm aufzuziehen. Ich guckte dumm, und Elena konnte sich vor Lachen nicht halten, aber erst als sie wusste, dass nichts passiert war.

Wir können jedem, wirklich jedem empfehlen, die Tour einmal zu fahren. Es ist keine körperlich anstrengende Route, so dass man auch gut Kinder oder betagtere Menschen mitnehmen kann. Kurz noch was zum schmunzeln. Meine Eltern werden beide in Kürze 80 Jahre alt , sind wirklich fit und sind früher nur geradelt, ohne E-Bike. Zum Beispiel Kassel-Bodensee und zurück. Kassel-Amsterdam und zurück. Kassel – Mecklenburgische Seenplatte und zurück. Kassel – Fehmarn und zurück, und vieles, vieles mehr. Fast täglich durchstreifen sie die Kasseler Berge, allerdings seit ein paar Jahren mit dem E-Bike. Nun haben wir sie durch unsere Erzählungen wohl angestachelt. Das Ergebnis: Juma hat nächstes Jahr 3 Wochen Urlaubssperre in Kaufungen. Ihr Plan: Mit dem Rad von Passau nach Wien! Respekt! Wenn das mal kein Ansporn ist, für all jene, die an sich Zweifeln. Wir wünschen ihnen, dass alles klappt und das man so etwas noch erleben kann. Toll!

Wir verlebten noch 1 traumhaften Sonntag in Wien, wo wir es ganz ruhig angingen ließen. Am Montagmorgen fuhr unser Donauradtramper (Zug) von Wien nach Passau zurück. Eine prima Lösung, so finden wir, obwohl wir wegen unserer 29 Zoll Bikes kurzzeitig Probleme hatten. Der Mailverkehr schloss ja die Beförderung der 29 Zoll nicht aus, auf der in Wien ausgedruckten Fahrkarte hieß es dann, nur Beförderung bis 28 Zoll. Die vorgesehenen Halterungen im Radwagon sind wohl zu kurz für 29 Zoll. Unser Glück war, dass noch eine Art altertümlicher Großraumwaggon am Zug hing. Dort verluden wir uns Bikes, zurrten sie fest und gut wars. Räder drin, Zug fuhr ab.

Ein paar Stunden später erreichten wir Passau und unsere Reise war entgültig zu Ende.

Unser Resumee

– 430 Kilometer inkl. Sightseeing auf dem Sattel

– Ca. 80 Caches entlang des Radweges inkl ein paar Döslein in Passau & Wien

– Die schönste Etappe: Durch die Wachau von Melk nach Krems

– Die schönste Stadt: Tulln & beste Eisdiele/ Gelato Battistin

– Die urigste & geselligste Unterkunft: Gasthof Reisinger, Inzell

– Bester Biergarten: In Spitz an der Donau

– Einen Plattfuß, kein Problem mit dem Reparaturspray

Ihr lieben Leser, ich verabschiede mich an dieser Stelle und werde nun versuchen unsere nächte Tour ein wenig planerisch in Angriff zu nehmen. Versprechen muss man einhalten – ich bin ja wirklich superstolz auf Elena. Sie hat es geschafft, locker und sogar flockig in Wien anzukommen. Kein schmerzender Hintern und auch ihre Verletzung am Ellbogen, konnte sie nicht aufhalten. Ihre ersten Worte, noch am Riesenrad in Wien: Und jetzt fahren wir von München nach Venedig, gelle?

Danke für Eure schönen Kommentare, auf meiner perönlichen Facebookseite, während der Tour, so etwas liest man gerne und motiviert.

Was wären denn schon Piraten, wenn sie auf ihren Raubzügen keine bleibenden Erinnerungen hinterlassen würden, oder gar für sich selbst eine Art Trophäe schaffen würden?! Da ja leider, wie Anfangs erwähnt, kein Multi etc von Passau nach Wien verläuft, haben wir das nun geändert. Schaut mal:

Es wäre schön, wenn wir den ein oder anderen animieren konnten, und irgendwann einen schönen Log lesen dürfen. So habt Ihr während der Tour etwas zu tun und wir dürfen die Strecke beim Loglesen ab & an nochmal radeln.

So long,

 Elena & Meik von den Finkenpiraten

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Ein Gedanke zu „Wir sind dann mal weg! Mit dem Rad von Passau nach Wien!“

  1. Eine schöne Erzählung, die mich ebenfalls an einige Stellen unserer Tour vom Tauernradweg erinnern ließ.
    München Venedig wird sicher nochmal so gut.
    Freu mich schon auf diesen Beitrag. Viel Spaß hierfür.

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